gerd_
- Dabei seit
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Hi
Um mal halbwegs seriös zu bleiben.
Natürlich spricht nichts gegen eine Schalterbeleuchtung. Die Frage ist nur ob es „ohne“ ein absolutes Sicherheitsrisiko ist oder ein „nice-to-have“.
Nach einem halben Jahr sollte ich die wesentlichen Schalter „wissen“ oder zumindest „erfummeln“ können.
Brauche ich den Schalter für die Griffheizung und weiss nicht wo er ist, so habe ich einige Möglichkeiten. Die eine davon ist zu denken „wegen der 10 Minuten suche ich nicht“ oder „nachdem noch mindestens eine Stunde zu Fahren ist, halte ich mal für 30 Sekunden an“.
Nachdem ich zu den alten Säcken und Ewiggestrigen gehöre brauche ich natürlich eine Lesebrille. Die habe ich normalerweise zwar an so einem Opa-Bändchen umhängen aber beim Moppedfahren geht das nicht. Ohne sehe ich am Tacho zwar -anhand der vertrauten Zeigerstellung- wie schnell ich bin und auch welche Drehzahl anliegt, aber lesen kann ich die Zahlen –ohne Brille- nur dann wenn ich längere Zeit hinsehe. Ebenso ginge es mir mit Schaltern. Ich sehe, falls beleuchtet, dass da einer ist, aber welcher es ist erkenne ich nicht so einfach.
Die Zeit um das erkennen zu können möchte ich mir einfach nicht geben.
Machen wir uns nichts vor.
Früher konstruierte man ein Mopped und packte das dran was man brauchte.
Heute überlegt man wer die Zielgruppe ist und was diese bereit ist auszugeben. Kommt man da z.B. auf 25 TEUR wird runtergerechnet.
50% für den Vertriebsaufwand, folglich gibt das Werk ein Mopped für die Hälfte des VK an den Vertrieb ab.
Vom Rest gehen die Konstruktionsaufwände ab. Das dürften noch mal 15% sein. Verbleiben also 8750 EUR mit denen das Mopped hergestellt werden muss.
Das ist übrigens keine spezielle BMW-Wucherkalkulation sondern normale Grössenordnung.
Die Marktanalyse hat festgestellt, dass ein normaler Endnutzer relativ wenige km/a fährt und diese hauptsächlich bei schönem Wetter und tagsüber.
Das heisst jetzt nicht, dass man keinen Scheinwerfer dranmachen muss sondern lediglich, dass man -ob der Verkäuflichkeit- die Tendenz eher etwas nach „sieht geil aus“ denn nach „macht geiles Licht“ legen kann. Dabei schadet es nicht wenn man irgendwo die Begriffe „LED“ und „CANBus“ einbaut.
Damit ein neues Stichwort:
CANBUS klingt einfach fortschrittlich und hat ja auch seine Daseinsberechtigung. Zumindest dann, wenn Steuergeräte Informationen austauschen müssen.
Ob man den LED-Scheinwerfer über einen CANBUS light (=LIN-BUS) steuern muss wage ich zu bezweifeln. Es wird zumindest keine Leitung eingespart und die benötigte Intelligenz („ist mir warm, muss ich meine LED Ansteuerung kühlen?“) ist ohnehin im Scheinwerfer eingebaut.
ABER: Aufwendige Technik schützt –zumindest vorübergehend- vor fremden Werkstätten und so kann ich meine Kunden davor schützen irgendwelchen Billigmurksern zu verfallen. Oder eben meine eigene Werkstatt besser „zwangsauslasten“.
Was kann ich dem Kunden noch anbieten? Jegliche Art von Information die er vielleicht gar nicht braucht aber die ich ihm teuer als Feature verkaufen kann indem ich sie auf dem Multifunktionsdisplay anzeige!
Was mich zum Nachdenken bringt ist z.B. ein Tempomat der zwar immer eingebaut ist aber nur gegen Zahlung von weniger als 200 EUR per Rechner aktiviert wird.
Über das gesetzliche RDC habe ich mich bereits ausgelassen. Früher haben die Ewiggestrigen den Reifendruck indirekt mit dem A… gemessen oder eben gelegentlich beim Tanken geprüft. Heute füllt man pascalgenau nach und macht sich anschliessend tiefe Gedanken über die Differenz zwischen RDC- und Tankstellenanzeige.
Fährt man über eine Glasscherbe hat man auch heute einen Platten. Der eine merkt dass er auf der Felge rumpelt, der andere bekommt es angezeigt. Aaaaber der schleichende Druckverlust! Ja, wenn ich zu doof oder fein bin gelegentlich nach dem Reifendruck zu sehen.
Nicht alle der angezeigten Informationen sind sinnlos aber viele sind entbehrlich. Seit Erhalt meines Führerscheins fahre ich meine Fahrzeuge –jahreszeitabhängig- etwa 25… 30 km warm. Heute kann ich (im Auto) nach 20..25 km ablesen, dass mein Öl Betriebstemperatur hat aber das wüsste ich auch so.
Interessant in diesem Zusammenhang ist nicht ob ich 2 km früher oder später „Gas geben“ kann sondern ob ich eine kurze Strecke nicht besser mit dem Fahrrad oder der U-Bahn fahre.
Man könnte jetzt für jede Anzeige ein „Für-und Wieder“ erörtern. Muss jeder für sich machen. Ich vertrete den Standpunkt „was nicht da ist wird nicht defekt“.
Nachdem ich einen „Lügendiesel“ fahre dessen Software „optimiert“ wurde stelle ich fest, dass die Anzeige wann ich hochschalten soll genauso funktioniert wie vor dem Update. Wenn man der Empfehlung folgt stellt man fest, dass der Motor dann „ziemlich“ würgt. Einfach weil mit dem Update in diesem Bereich heftig Drehmoment „verschwand“ aber offenbar vergessen wurde die Anzeige anzupassen. Egal, ich hab‘ sie schon vorher ignoriert.
Interessanter ist der Gedankengang der Marketingleute: Was alles können wir mit welchem Aufwand liefern?
Was davon ist gesetzlich? Dafür gibt es natürlich Grundaufwand (Radsensoren) aber man kann ja nichts dafür und kann damit weiteren monetären Aufwand (wie z.B. das MF-Display :-)) rechtfertigen.
Mit der Grundvoraussetzung „Multifunktionsdisplay“ gibt es schon mal Einiges anzuzeigen (sozusagen als Abfall des CANBUS). Ob es sinnvoll ist bleibt egal, aber der Kunde kann zappen.
Selbstverständlich gibt es marketing- und konstruktionsseitig eine Liste der Optionen und garantiert stehen auf der Liste auch beleuchtete Bedienknöpfe.
Zum Ersten stehen die Dinger auf der –bewerteten- Liste wohl relativ weit hinten und die Marketingmenschen hatten andere Prämissen innerhalb ihres Preisrahmens, zum Anderen ist es eben einfacher wenn z.B. KTM als Erste die Beleuchtung von Lieferanten entwickeln lassen. Da wird‘s für BMW billiger und KTM macht den Markttest.
Vielleicht sagt dann der BMW Entwicklungsleiter (beim Kaffee nach dem Golfturnier) zum KTM-Mann „OK, das nächste Mal sind wir wieder dran, aber bei den Preisen der Kühler müsst Ihr um 2 Punkte runter“.
.
Gas-by-wire schrie die Kundschaft. OK, fein, da kann man gleich einige Gewährleistungsoptimierungen einbauen.
Vollgas bei kaltem Motor geht nicht, hohe Drehzahlen natürlich auch nicht (bei Autos ist die Drehzahl während des Transports gedrosselt damit der LKW-Kutschen beim Laden/Entladen keinen Unsinn macht).
„Verkaufen“ kann man etliche Fahrmodus (Plural von Modus ist Modus).
Früher hatte man ein rechtes Handgelenk mit Gefühl. Wer die unbändige Kraft seiner Maschine nicht bändigen kann ist entweder auf der Renne oder sollte mit weniger Leistung üben bis er’s kann.
Auch für die Haltbarkeit gibt es Überlegungen.
Langstreckenfahrer haben zwar viele km, schinden aber ihr Mopped in der Regel nicht.
Cafe-Racer fahren nicht viele km doch die Haltedauer eines Fahrzeugs ist eher gering.
Eine GS wird heutzutage nicht mehr im „Gelände“ bewegt.
Potentielle Weltreisende mit Kat-Fragen beruhigt man mit Floskeln („praktisch überall verfügbar“).
Die durchschnittliche Fahrleistung liegt bei unter 5 Tkm/Jahr.
Daraus ziehen Marketingleute ein Resümée.
Alles muss wenigstens 2 Jahre halten weil das die Gewährleistungszeit ist. Auch danach darf nicht alles schlagartig zerbröseln aber die Defektkurve darf ansteigen. Viele erkannte Probleme können durch relativ häufige KDs (1x jährlich bei 5Tkm!) stillschweigend „optimiert“ werden, für grössere Dinge gewährt man Kulanz.
Bei Kulanz gibt es zwei Varianten.
Entweder ist man guter Kunde der zwar nicht fährt aber wegen jedem Furz auftaucht und dem man jeweils kostengünstig hilft. Der hat ja schon Einiges bezahlt und so langt man eben mal gratis hin.
Oder es ist ein Teil das Renomée kostet und bei dem das KBA lauert. Da erstattet man u.U. bei einem „Viel-km-Getriebe“ auch dann einen Teil wenn die Wartung nicht bei einem BMW-Partner erfolgte.
Bei vielen kleineren Dingen erwartet die Kundschaft offenbar keine grosse Haltbarkeit bzw. hält eben tatsächlich nichts für Ewig. Beim KD wird „Ja mit diesem Schalter hatten wir öfter Probleme aber der neue ist anders“ oder „das xy haben wir sicherheitshalber gewechselt“ auch noch mit „ach, Danke“ quittiert.
Der ABS-Sensor war bei mir allerdings schon am Auto nicht aber am Mopped defekt.
Ärgerlich ist, wenn irgendeine Nonsensanzeige spinnt (Kabelbruch, Kriechstrom) und deswegen gleich ein grösseres Bauteil gewechselt wird.
Frei nach dem Motto „wir wissen dass im ABS-Modulator nur die Kohlen in ihren Führungen klemmen aber das Ding ist nicht zerlegbar und es gibt auch keine Werksvorschrift. Wir haben einfach einen neuen für 1800 EUR eingebaut. Macht mit Suche und AZ nicht mal 2500 EUR.
Aber dank der Anzeige „ABS-Problem“ hat funktioniert, die Fehlersuche nicht mal 2 h gedauert (und es war tatsächlich der Modulator).
Das ist kein Argument gegen ABS und der Fehler liegt -zugegeben- auch nicht an der Anzeige, aber man bräuchte den Lieferanten nicht im Preis knechten und dem Kunden dafür alternativ eine Anzeige für Irgendwas Unsinniges spendieren.
(leider brutal lang geworden)
gerd
Um mal halbwegs seriös zu bleiben.
Natürlich spricht nichts gegen eine Schalterbeleuchtung. Die Frage ist nur ob es „ohne“ ein absolutes Sicherheitsrisiko ist oder ein „nice-to-have“.
Nach einem halben Jahr sollte ich die wesentlichen Schalter „wissen“ oder zumindest „erfummeln“ können.
Brauche ich den Schalter für die Griffheizung und weiss nicht wo er ist, so habe ich einige Möglichkeiten. Die eine davon ist zu denken „wegen der 10 Minuten suche ich nicht“ oder „nachdem noch mindestens eine Stunde zu Fahren ist, halte ich mal für 30 Sekunden an“.
Nachdem ich zu den alten Säcken und Ewiggestrigen gehöre brauche ich natürlich eine Lesebrille. Die habe ich normalerweise zwar an so einem Opa-Bändchen umhängen aber beim Moppedfahren geht das nicht. Ohne sehe ich am Tacho zwar -anhand der vertrauten Zeigerstellung- wie schnell ich bin und auch welche Drehzahl anliegt, aber lesen kann ich die Zahlen –ohne Brille- nur dann wenn ich längere Zeit hinsehe. Ebenso ginge es mir mit Schaltern. Ich sehe, falls beleuchtet, dass da einer ist, aber welcher es ist erkenne ich nicht so einfach.
Die Zeit um das erkennen zu können möchte ich mir einfach nicht geben.
Machen wir uns nichts vor.
Früher konstruierte man ein Mopped und packte das dran was man brauchte.
Heute überlegt man wer die Zielgruppe ist und was diese bereit ist auszugeben. Kommt man da z.B. auf 25 TEUR wird runtergerechnet.
50% für den Vertriebsaufwand, folglich gibt das Werk ein Mopped für die Hälfte des VK an den Vertrieb ab.
Vom Rest gehen die Konstruktionsaufwände ab. Das dürften noch mal 15% sein. Verbleiben also 8750 EUR mit denen das Mopped hergestellt werden muss.
Das ist übrigens keine spezielle BMW-Wucherkalkulation sondern normale Grössenordnung.
Die Marktanalyse hat festgestellt, dass ein normaler Endnutzer relativ wenige km/a fährt und diese hauptsächlich bei schönem Wetter und tagsüber.
Das heisst jetzt nicht, dass man keinen Scheinwerfer dranmachen muss sondern lediglich, dass man -ob der Verkäuflichkeit- die Tendenz eher etwas nach „sieht geil aus“ denn nach „macht geiles Licht“ legen kann. Dabei schadet es nicht wenn man irgendwo die Begriffe „LED“ und „CANBus“ einbaut.
Damit ein neues Stichwort:
CANBUS klingt einfach fortschrittlich und hat ja auch seine Daseinsberechtigung. Zumindest dann, wenn Steuergeräte Informationen austauschen müssen.
Ob man den LED-Scheinwerfer über einen CANBUS light (=LIN-BUS) steuern muss wage ich zu bezweifeln. Es wird zumindest keine Leitung eingespart und die benötigte Intelligenz („ist mir warm, muss ich meine LED Ansteuerung kühlen?“) ist ohnehin im Scheinwerfer eingebaut.
ABER: Aufwendige Technik schützt –zumindest vorübergehend- vor fremden Werkstätten und so kann ich meine Kunden davor schützen irgendwelchen Billigmurksern zu verfallen. Oder eben meine eigene Werkstatt besser „zwangsauslasten“.
Was kann ich dem Kunden noch anbieten? Jegliche Art von Information die er vielleicht gar nicht braucht aber die ich ihm teuer als Feature verkaufen kann indem ich sie auf dem Multifunktionsdisplay anzeige!
Was mich zum Nachdenken bringt ist z.B. ein Tempomat der zwar immer eingebaut ist aber nur gegen Zahlung von weniger als 200 EUR per Rechner aktiviert wird.
Über das gesetzliche RDC habe ich mich bereits ausgelassen. Früher haben die Ewiggestrigen den Reifendruck indirekt mit dem A… gemessen oder eben gelegentlich beim Tanken geprüft. Heute füllt man pascalgenau nach und macht sich anschliessend tiefe Gedanken über die Differenz zwischen RDC- und Tankstellenanzeige.
Fährt man über eine Glasscherbe hat man auch heute einen Platten. Der eine merkt dass er auf der Felge rumpelt, der andere bekommt es angezeigt. Aaaaber der schleichende Druckverlust! Ja, wenn ich zu doof oder fein bin gelegentlich nach dem Reifendruck zu sehen.
Nicht alle der angezeigten Informationen sind sinnlos aber viele sind entbehrlich. Seit Erhalt meines Führerscheins fahre ich meine Fahrzeuge –jahreszeitabhängig- etwa 25… 30 km warm. Heute kann ich (im Auto) nach 20..25 km ablesen, dass mein Öl Betriebstemperatur hat aber das wüsste ich auch so.
Interessant in diesem Zusammenhang ist nicht ob ich 2 km früher oder später „Gas geben“ kann sondern ob ich eine kurze Strecke nicht besser mit dem Fahrrad oder der U-Bahn fahre.
Man könnte jetzt für jede Anzeige ein „Für-und Wieder“ erörtern. Muss jeder für sich machen. Ich vertrete den Standpunkt „was nicht da ist wird nicht defekt“.
Nachdem ich einen „Lügendiesel“ fahre dessen Software „optimiert“ wurde stelle ich fest, dass die Anzeige wann ich hochschalten soll genauso funktioniert wie vor dem Update. Wenn man der Empfehlung folgt stellt man fest, dass der Motor dann „ziemlich“ würgt. Einfach weil mit dem Update in diesem Bereich heftig Drehmoment „verschwand“ aber offenbar vergessen wurde die Anzeige anzupassen. Egal, ich hab‘ sie schon vorher ignoriert.
Interessanter ist der Gedankengang der Marketingleute: Was alles können wir mit welchem Aufwand liefern?
Was davon ist gesetzlich? Dafür gibt es natürlich Grundaufwand (Radsensoren) aber man kann ja nichts dafür und kann damit weiteren monetären Aufwand (wie z.B. das MF-Display :-)) rechtfertigen.
Mit der Grundvoraussetzung „Multifunktionsdisplay“ gibt es schon mal Einiges anzuzeigen (sozusagen als Abfall des CANBUS). Ob es sinnvoll ist bleibt egal, aber der Kunde kann zappen.
Selbstverständlich gibt es marketing- und konstruktionsseitig eine Liste der Optionen und garantiert stehen auf der Liste auch beleuchtete Bedienknöpfe.
Zum Ersten stehen die Dinger auf der –bewerteten- Liste wohl relativ weit hinten und die Marketingmenschen hatten andere Prämissen innerhalb ihres Preisrahmens, zum Anderen ist es eben einfacher wenn z.B. KTM als Erste die Beleuchtung von Lieferanten entwickeln lassen. Da wird‘s für BMW billiger und KTM macht den Markttest.
Vielleicht sagt dann der BMW Entwicklungsleiter (beim Kaffee nach dem Golfturnier) zum KTM-Mann „OK, das nächste Mal sind wir wieder dran, aber bei den Preisen der Kühler müsst Ihr um 2 Punkte runter“.
.
Gas-by-wire schrie die Kundschaft. OK, fein, da kann man gleich einige Gewährleistungsoptimierungen einbauen.
Vollgas bei kaltem Motor geht nicht, hohe Drehzahlen natürlich auch nicht (bei Autos ist die Drehzahl während des Transports gedrosselt damit der LKW-Kutschen beim Laden/Entladen keinen Unsinn macht).
„Verkaufen“ kann man etliche Fahrmodus (Plural von Modus ist Modus).
Früher hatte man ein rechtes Handgelenk mit Gefühl. Wer die unbändige Kraft seiner Maschine nicht bändigen kann ist entweder auf der Renne oder sollte mit weniger Leistung üben bis er’s kann.
Auch für die Haltbarkeit gibt es Überlegungen.
Langstreckenfahrer haben zwar viele km, schinden aber ihr Mopped in der Regel nicht.
Cafe-Racer fahren nicht viele km doch die Haltedauer eines Fahrzeugs ist eher gering.
Eine GS wird heutzutage nicht mehr im „Gelände“ bewegt.
Potentielle Weltreisende mit Kat-Fragen beruhigt man mit Floskeln („praktisch überall verfügbar“).
Die durchschnittliche Fahrleistung liegt bei unter 5 Tkm/Jahr.
Daraus ziehen Marketingleute ein Resümée.
Alles muss wenigstens 2 Jahre halten weil das die Gewährleistungszeit ist. Auch danach darf nicht alles schlagartig zerbröseln aber die Defektkurve darf ansteigen. Viele erkannte Probleme können durch relativ häufige KDs (1x jährlich bei 5Tkm!) stillschweigend „optimiert“ werden, für grössere Dinge gewährt man Kulanz.
Bei Kulanz gibt es zwei Varianten.
Entweder ist man guter Kunde der zwar nicht fährt aber wegen jedem Furz auftaucht und dem man jeweils kostengünstig hilft. Der hat ja schon Einiges bezahlt und so langt man eben mal gratis hin.
Oder es ist ein Teil das Renomée kostet und bei dem das KBA lauert. Da erstattet man u.U. bei einem „Viel-km-Getriebe“ auch dann einen Teil wenn die Wartung nicht bei einem BMW-Partner erfolgte.
Bei vielen kleineren Dingen erwartet die Kundschaft offenbar keine grosse Haltbarkeit bzw. hält eben tatsächlich nichts für Ewig. Beim KD wird „Ja mit diesem Schalter hatten wir öfter Probleme aber der neue ist anders“ oder „das xy haben wir sicherheitshalber gewechselt“ auch noch mit „ach, Danke“ quittiert.
Der ABS-Sensor war bei mir allerdings schon am Auto nicht aber am Mopped defekt.
Ärgerlich ist, wenn irgendeine Nonsensanzeige spinnt (Kabelbruch, Kriechstrom) und deswegen gleich ein grösseres Bauteil gewechselt wird.
Frei nach dem Motto „wir wissen dass im ABS-Modulator nur die Kohlen in ihren Führungen klemmen aber das Ding ist nicht zerlegbar und es gibt auch keine Werksvorschrift. Wir haben einfach einen neuen für 1800 EUR eingebaut. Macht mit Suche und AZ nicht mal 2500 EUR.
Aber dank der Anzeige „ABS-Problem“ hat funktioniert, die Fehlersuche nicht mal 2 h gedauert (und es war tatsächlich der Modulator).
Das ist kein Argument gegen ABS und der Fehler liegt -zugegeben- auch nicht an der Anzeige, aber man bräuchte den Lieferanten nicht im Preis knechten und dem Kunden dafür alternativ eine Anzeige für Irgendwas Unsinniges spendieren.
(leider brutal lang geworden)
gerd