Hallo alle miteinander! Ich komme eben aus Marokko zurück und brauche sicher einen Monat, um von meiner Wolke 7 wieder herunterzukommen! Zur praktischen Seite der Reise: Fähre Sète-Tanger, dann Fès,Midelt, Mezouga, M'Hamid, Ouarzazate, Boumalne und zurück mit GS 1200 ADV, einen Koffer, eine Rolle, alleine. Ich muss dazu erwähnen, dass Französisch meine 2. Muttersprache ist und ich mir zwei Dutzend arabische Wörter aneignen konnte. Für mich der wichtigste Schlüssel, um sich in Marokko wohlzufühlen und die Bevölkerung zu verstehen. Lernt die paar Wörter auf Arabisch und viele Türen öffnen sich! Die Sicherheitslage war ohne jegliche Bedenken, Übernachtung Zelt oder Hotel, Essen köstlich wie immer, viele interessante Begegnungen, sternenklare Wüste, eine andere Welt!
Apropos Xenophobie. Ich habe als Entwicklungshelfer in vielen extrem armen Ländern gelebt. Marokko ist kein wirklich unterentwickeltes Land, aber es gibt dort sehr viele arme Leute. Der Tourismus ist die Haupteinnahmequelle des Landes und man sollte jede Form eines vernünftigen Tourismus unterstützen. Nur damit kommt Geld unter die Bevölkerung und jeder kann dazu das seine beitragen. Gerade die Begegnungen mit anderen Kulturen erhöhen die Sensibilität für deren Probleme und auf der anderen Seite ist es gut, wenn die Marokkaner mit uns Christen diskutieren können und sehen, dass wir schlussendlich alle auf dem selben Planeten wohnen. Ich fühle mich auch nicht gedemütigt, wenn es heute bereits 800 neue Milliardäre in China gibt und ich selbst mit den 1,6 Mio. Millionären dort ebenfalls nicht mithalten kann! Der Austausch mit einem Bauern, mit einem Tankstellenbesitzer, einem Teppichverkäufer, einer Rezeptionistin in der Wüste ist mir wertvoller als goldene Wasserhähne. Ein Stück Käse, eine Ölsardinenbüchse, ein geteiltes Weissbrot, Geschichten am Lagerfeuer, die Befriedigung die GS über die Pisten schnurren zu lassen, Muskelkater zu haben.... Man kann Marokko lieben, sogar wahnsinnig lieben, wenn man den Zugang gefunden hat und auch die Zeit dafür aufbringen kann. Die aufdringlichen Händler, die bettelnden Kinder, die angeblich liegengebliebenen Autofahrer, die angeblichen Wüstenexperten überraschen und verstören am Anfang, später gehören diese alle genauso zum Dekor wie die bösen Gesichter in der Münchner U-Bahn. Dahinter steckt viel mehr, viel Wertvolleres. Marokkaner sind offen und herzlich, gastfreundlich und von einer faszinierenden Kultur!